Übung. Ein Pkw liegt nach einem schweren Crash im Graben – auf dem Dach, deformiert, fünf Menschen eingeschlossen. Zwischen zerschnittenem Blech, enger Zeit und maximaler Belastung zeigt sich, was Sache ist: Kein Platz für Fehler“, weder im völlig zerstörten Fahrzeug noch bei der Rettung daraus.
Anspruchsvoll soll das Übungsszenario am 11. Mai sein – fordernd, dicht an der Realität. Die Vorbereitungsarbeit von BM Ing. Andreas Nocker ist von einem realen Pkw-Crash in der Ballnacht inspiriert, der glücklicherweise glimpflich ausging, aber jederzeit in einer Tragödie hätte enden können. Genau daraus entsteht die Schadenslage: Ein Fahrzeug ist nach einem Verkehrsunfall im Graben vor dem Anwesen der Firma Draxler Geflügel-Wild GmbH auf dem Dach liegen geblieben. Fünf Insassen befinden sich im Wrack, mehrere davon schwer eingeklemmt.
BM Ing. Nocker zeichnet als erfahrener Einsatzleiter eine Situation, die realistisch wirkt, ohne Sicherheit dem Zufall zu überlassen. Sämtliche Betriebsmittel werden vorab aus dem Fahrzeug entfernt, eine Ölsperre im Bach vorbereitet. Zusätzliche Anschlagpunkte ermöglichen es, das Unfallfahrzeug im Ernstfall mittels Teleskoplader rasch zu bergen. Jede Maßnahme sitzt, weil auch bei einer Übung nichts dem Risiko überlassen wird.
Besonnene Einsatzleitung – professionelle Rettungsmaßnahmen
Nur wenige Minuten nach der „Alarmierung“ treffen 18 Kräfte mit dem KRF-S Tunnel, dem RLF 2000/200 und dem LKWA ein. Beim 360-Grad-Blick entdeckt LM Wolfgang Rothschedl eine Gasflasche, die offenbar beim Aufprall aus dem Fahrzeug geschleudert wurde. Die Gefahr ist rasch beseitigt. LM Rothschedl verliert keine Zeit; sein Fokus gilt den Eingeklemmten. Ruhig, präzise und mit klaren Anweisungen organisiert er seine Mannschaft. Während Brandschutz, Bereitstellungsplatz und Patientenablage aufgebaut werden, laufen die ersten Vorbereitungen für die technische Rettung bereits an.
Im Inneren des deformierten Fahrzeugs sprechen die Sanitätsbeauftragten beruhigend auf die Verletzten ein, erklären jeden Schritt. Gleichzeitig beginnt das Glasmanagement. Heckscheiben werden entfernt, über das Fahrzeugheck entsteht ein erster Rettungszugang. Einen Patienten jedoch lässt Rothschedl zunächst außen vor: Zwischen Bachbett und Fahrzeug eingeklemmt, kann der Notarzt nur noch den Tod feststellen. Die spätere Bergung erfolgt mittels Greifzug und Hebekissen – technisch anspruchsvoll und bis ins Detail überwacht. Der Einsatzleiter achtet darauf, die Hebekissen versetzt übereinander zu platzieren, um Beschädigungen an den Anschlüssen zu vermeiden. Auch beim Eigenschutz duldet er keine Kompromisse: Helmvisier und Schutzbrille sind Pflicht.
Rettungszugang über das Fahrzeugheck
Der Zugang über das Heck entwickelt sich zur Materialschlacht. Spreizer und Schere arbeiten sich Zentimeter um Zentimeter durch das zerstörte Fahrzeug. Die Rücksitzbank lässt sich nicht nach vorne klappen; dort befinden sich die Verletzten. Also muss man sie nach hinten herauslösen. Zunächst werden die Kopfstützen mit der Bolzenzange entfernt, erst dann entsteht genügend Raum für den Rettungsstempel. Danach kommt erneut der Spreizer zum Einsatz. Die Arbeiten fordern den Kräften alles ab. Rothschedl reagiert und tauscht die Trupps laufend durch, um die Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen.
Erst nachdem die Halswirbelsäule mittels Stifneck immobilisiert ist, können die ersten beiden Verletzten mit dem Spineboard aus dem Wrack gerettet werden. Patient drei und vier werden achsengerecht in Bauchlage befreit – eine Umlagerung innerhalb des Fahrzeugs ist unmöglich. Nicht die Retter geben die Richtung vor, sondern die Lage des Verunglückten.
Kameradschaftspflege
Nach intensiven Stunden endet eine Übung, die eindrucksvoll zeigt, wie viel Präzision, körperliche Belastbarkeit und Teamarbeit hinter einer Menschenrettung stehen. Unter den Beobachtern zeigt sich auch LM d. V. Marcel Draxler zufrieden. Er stellte nicht nur das Firmengelände für die Übung zur Verfügung, sondern lud im Anschluss alle Kameradinnen und Kameraden zu einem gemeinsamen kulinarischen Ausklang ein.


